Geschichte der Bäume

Geschichte der Hölzernen Zeitzeugen Magdeburgs –
Chronologie einer Baumrettung

Das Ende der DDR kam nicht nur aus politischen Gründen oder wegen der bankrotten Planwirtschaft – es war auch einer Umweltkrise geschuldet. Vergiftete Flüsse, sterbende Bäume, Smog – obwohl die starke Umweltverschmutzung für jeden sichtbar und sogar riechbar war, wurde sie staatlicherseits stets geleugnet und 1982 sogar offiziell mit der „Anordnung zur Sicherung des Geheimschutzes auf dem Gebiet der Umweltdaten“ abgeschafft. Um diesem Trend entgegenzutreten gründeten sich in den 1980iger Jahren viele Umweltinitiativen unter dem Dach der Kirche. Menschen, die sich in der DDR für Umweltschutz engagierten, mussten damit rechnen, oppositioneller Tätigkeiten beschuldigt und verhaftet zu werden. Im Schutz der Kirche konnten sie aber das Versammlungs- und Informationsmonopol des SED-Regimes unterlaufen.
(Quelle: Greenpeace Magazin 6.14)

Der Magdeburger Arbeitskreis Ökologie am Dom gründete sich Mitte der 80iger Jahre.

Sowohl in Stasi – Akten als auch im BStU – Archiv der Stadt Magdeburg finden sich diverse Unterlagen zum Fall „Danzstrassenbäume“. Aus diesen Unterlagen haben wir eine kurze „Chronologie einer Baumrettung“ erstellt.

Mitte Juni 1987 wurde bekannt, dass die Ulme und die Platane im Zuge eines Wohnungsbauprojektes fallen sollen. Dieser Information folgten mehrere Eingaben an den Rat der Stadt von Mitgliedern des Arbeitskreises Ökologie, auch von Domprediger Quast und seiner Frau. Nach der Wende fand jeder seine Eingabe und Berichte über den gesamten Vorgang „Danzstrassenbäume“ in seiner Stasi-Akte wieder.

Auch die Ankündigung von Domprediger Quast bei einem Gespräch mit Vertretern der Abteilung Inneres, man würde sich gegebenenfalls um die Bäume stellen, wurde von einem IM in der Akte vermerkt. Natürlich wollte die Stadt jeglichen Aufruhr vermeiden und die mögliche Berichterstattung westdeutscher Journalisten über eine spektakuläre Aktion. So wurde bei einer Aussprache mit eingabeführenden Bürgern im August 1987 mitgeteilt, „daß zwischenzeitlich seitens des Rates der Stadt festgelegt wurde, das Projekt erneut zu überarbeiten, um nach Möglichkeit Platane und Ulme zu erhalten“. Die Bäume stehen bis heute!

Es ist erstaunlich, wie mit wenig Kraft eine fest scheinende Bauplanung wie ein Kartenhaus zum Einsturz gebracht werden konnte – ein Vorbote der friedlichen Revolution 1989!